Auf ein Wort … Peter Yntema, Geschäftsführer der Wubben Holding b.v.

ist 2011 zunächst als Geschäftsführer der Refining & Trading Holland N.V. (North Refinery) eingestellt worden. Der Verfahrensingenieur (53) wurde mit Arbeitsaufnahme Anfang 2011 beauftragt, die neu durch AVISTA OIL akquirierte niederländische Gesellschaft technisch zu führen und hinsichtlich Compliance und Gesetzeskonformität zu analysieren.

Alle relevanten Maßnahmen sollten dann entsprechend in einem gemeinsamen Projekt mit den vor Ort ansässigen Behörden umgesetzt werden. Später wechselte Peter Yntema in die Geschäftsführung der Wubben Holding B.V..

Die Redaktion des Oilenspiegels sprach mit ihm über eine, wie er selbst sagt, für AVISTA OIL schwierige Phase, in den ersten Jahren seiner Tätigkeit bei North Refinery und die heutige Situation in den Niederlanden.

Herr Yntema, wir möchten gern mehr erfahren, wie Sie aus heutiger Sicht die Situation rückblickend betrachten, wie Sie persönlich AVISTA OIL in dieser für alle nicht einfachen Phase erlebt haben und welche Erkenntnisse daraus resultieren.  


Wie haben Sie persönlich AVISTA in dieser nicht einfachen Phase erlebt? 

Bereits mit meinem Eintritt in das Unternehmen wurde mir schon mitgeteilt, dass die Zusammenarbeit zwischen den Behörden und uns komplexer sei und ich einen engen Dialog mit den Behörden führen soll. In der niederländischen Raffinerie, für die ich eingestellt wurde, sollten schnellstens Anstrengungen unternommen werden, den hohen Anspruch der AVISTA OIL im Unternehmen zu etablieren. Für AVISTA OIL stand über allem die gesetzeskonforme Tätigkeit. Wir arbeiteten parallel an einem Wandel der bestehenden Unternehmenskultur wie auch an dem Aufbau von Compliance-Richtlinien.

Warum war dieser Wandel notwendig?

Die enge Abstimmung mit den niederländischen Behörden brachte durch die Vorbesitzer nicht beachtete Aspekte zutage, die neben notwendiger Investitionen und Genehmigungen auch ein konzentrierteres Arbeiten wie auch eine Veränderung der Unternehmenskultur notwendig machte, um Transparenz für Prozesse und Abläufe zu schaffen. Erst nach der Übernahme wurde ersichtlich, dass die Vorbesitzer bei der Nachweisdokumentation, nicht wie bei AVISTA OIL gewohnt, die nötige Sorgfalt entgegengebracht haben. 

Was folgte daraus?

Die Zusammenarbeit mit den Behörden wurde besser, wir hielten einen sehr engen Dialog. Natürlich wurden auch kurzfristige genehmigungsrelevante Investitionen notwendig, wofür wir ein hohes Vertrauen seitens des Vorstandes und des Aufsichtsrates der AVISTA OIL erhielten, die ihre eigenen Ansprüche hinter die der Behörden stellten. Auch für die Aktionäre lag der Fokus auf der Erfüllung der Behördenauflagen und die Bereinigung aller übernommenen Defizite.

Konnten denn alle Auflagen erfüllt werden? 

Der Druck, auch zeitlich, seitens der Behörden stieg immer weiter an und parallel fielen die Ölpreise am Weltmarkt, was auch den Druck im Markt erhöhte. Der Bündelung dieser Umstände war nicht mehr gegenzusteuern. Irgendwann musste die niederländische Raffinerie leider Insolvenz anmelden. 

Wie sehen Sie das rückblickend?

(Bedrückt) Das war ein schwerer Tag für uns alle. Wir hatten so hart gearbeitet, doch leider war die Insolvenz aufgrund äußerer Umstände unumgänglich für die niederländische Raffinerie. Ich bedauere das sehr.

Konnten denn inzwischen alle behördlichen Verfahren abgeschlossen werden?

Nein, leider nicht. Das Insolvenzverfahren für die niederländische Raffinerie ist noch nicht abgeschlossen und parallel wurden bei dem durch AVISTA OIL übernommenen,  niederländischen Gebrauchtölsammler Wubben ebenfalls wegen der Prüfung der Nachweise Ermittlungen durch die Sondereinheit aufgenommen. Die Prüfung wird sicher noch mehrere Jahre in Anspruch nehmen. 

Wie konnte es dazu kommen?

Wubben war an North Refinery durch die Eigentümergemeinschaft gebunden. Somit hat AVISTA OIL hier auch die Altlasten der Vorbesitzer aufgebürdet bekommen. 

Wie gehen Sie und Ihre Mitarbeiter mit der Situation um?

Wir haben harte Zeiten, auch mit Durchsuchungen, hinter uns. Aber eins kann ich sagen, wir haben heute ein Team, das für Wubben lebt. Durch diese Zeit ist der Zusammenhalt gestiegen und die Zusammenarbeit hat sich verbessert. 

Wir sind im Unternehmen noch enger zusammengerückt: Vorstand, Management und Belegschaft sind heute unter der gemeinsamen Leitung mit meinem neuen Geschäftsführerkollegen Fred Strijd, unserem Sales Manager Marco Adan und unserem technischen Leiter Henk Verbunt bestens für den Markt aufgestellt. Dieser Teamgeist ist enorm wichtig und macht Mut für die Zukunft.

Auch mich persönlich treibt das weiter an, denn meine innere Überzeugung steht für AVISTA OIL, da es ein großartiges Unternehmen ist und für die Umwelt Gutes tut. Mein besonderer Dank gilt allen jeden Tag von Neuem, die unmittelbar daran arbeiten, manchmal bis an die Grenzen der Belastbarkeit.

Die Unterstützung, die wir auch aus den anderen Gesellschaften der AVISTA OIL erhalten haben, hat uns gezeigt, dass Verlässlichkeit, gegenseitiger Respekt und Vertrauen, innerhalb eines Konzerns in Krisen die höchste Priorität hat. Auch hier möchte ich meinen Dank aussprechen. 

Herr Yntema, beenden Sie bitte folgenden Satz: Ich wünsche mir für die Zukunft …

… eine offene Kommunikation in und außerhalb des Unternehmens, aber vor allem mit den Behörden, die in unserer Branche wichtig sind und eine große Rollen spielen. Auch ein identisches Spielfeld für alle Länder in Europa, denn die Entwicklung sollte dahingehen, dass alle miteinander in einem ehrlichen Wettbewerb stehen.

Herzlichen Dank für das Interview